*Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius sp.

Diskussion über alle Ameisenarten.

Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Frank Mattheis » So 24. Apr 2011, 19:39

Hallo Phil, dieses Relikt, also die Kleinheit der ersten Arbeiterinnengenerationen findet sich bei vielen Sozialparasiten, zB. auch bei den Duloten wie Polyergus oder Raptiformica. Ebenso bei temporären Sozialparasiten wie Deinen Chthonolasius, bei Formica (rufa oder pratensis) oder auch Coptoformica. Erstaunlicherweise auch bei den ebenfalls temp. sozialparasitischen Lasius fuliginosus, von denen ich ohnehin glaube, dass sie ein sehr "alter" Sozialparasit sind, der schon vor sehr langer Zeit zur sozialparasitischen Gründung übergegange ist. Dafür spricht für mich ausserdem die Kleinheit der Königinnen und die ausgesprochene, regelhafte Polygynie dieser Art, die ansonsten bei Lasius ja selten vorkommt. Beides weitere Hinweise auf einen ursprünglicheren Entwicklungsstand dieser Arten bzw. ihrer Vorfahren zu dem Zeitpunkt, als diese begannen, einen sozialparasitischen Weg zu gehen.
Ich vermute auch wie Du, dass diese Kleinheit der ersten Arbeiterinnengenerationen ein Relikt aus einer Zeit ist, in der dies vom Vorteil war, wie es heute bei vielen selbstständig gründenden Arten zu beobachten ist. Aus einer Zeit also, als diese Sozialparasiten noch selbstständig lebten und so auch ihre Kolonien gründeten.

LG, Frank.
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Phil » Mi 22. Jun 2011, 11:13

Hallo,

es wird langsam Zeit, dass ich hier mal wieder berichte.
Also, die Chthonolasius Kolonie hatte ich vor ein paar Wochen als es die ersten Lasius niger Puppen gab nochmal kräftig "gepusht", und auch so werden es zunehmend mehr aktive, gelbe Arbeiterinnen. Vor ein paar Wochen dann habe ich mich entshclossen die Kolonie in eine Farm umziehen zu lassen. Die hatte damals der Frank extra für mich gebaut, nachdem ich von seiner Lasius fuliginosus Farm so begeistert war, ein dankeschön nochmal an der Stelle ;)
Sie sind dann auch voller Grabeslust dort eingezogen. Leider sehe ich noch recht wenig, einige Gänge und Kammern. Zwei der Kammern sind mittlerweile so breit, dass ich von hinten durch die Farm leuchten kann, dann sehe ich meistens einen großen Berg voll Eiern. Den Schlauch haben sie mit Erde zugedreckt und zu einer Puppenlagerstätte ummodelliert, in die ich früher noch Einsicht hatte, mittlerweile leider nicht mehr wegen der ganzen Erde.
Fotos gibt es keine, weil man noch nichts darauf erkennt.

Aber ich will hier nicht nur von dieser einen Gründung berichten. Ich war von letzten Jahr so fasziniert, dass ich mich beschlossen habe, dieses Jahr selbiges erneut auszuprobieren. Also habe ich mir schon vor zwei Wochen ein Lasius Nester geplündert, da ich die Kolonie schon eine zeitlang weissellos brauche, damit die Adoption gut klappen kann. Dummerweise waren unter den vielen Puppen die ich mitnahm auch viele Männchen, aber egal.
Gestern spät am Abend, so gegen 21:30 Uhr landeten immer mehr alate Chthonolasius Geschlechtstiere in meinen Pool. Das ist jedes Jahr so, und ich habe noch immer nicht herausgefunden wo sich die Kolonie befindet. Es sind bisher immer die ersten schwärmenden Chthonolasius in der gesamten Umgebung gewesen, aber ich hatte bisher immer Pech und nie eine begattete Königin gefunden.
Es handelt sich auch um eine andere Art als die "normalen" Chthonolasius die man sonst so in Massen findet. Diese Art ist rötlich gefärbt, ich habe sie auch schonmal vor zwei Jahren fotographiert und damals in dem Schwarmflugthread des Ameisenforums eingestellt gehabt. Ich habe keine Ahnung, welche Chthonolasius Art rötliche Königinnen besitzt, diese hier die massenhaft suizid in meinen Pool begehen haben jedenfalls welche. Für mich stand es fest, die muss ich einfach haben!
Also habe ich gut eine halbe Stunde lang im Garten gesucht und geflügelte, auch aus dem Pool gefischte Königinnen beobachtet in der Hoffnung, dass sie ihre Flügel abwerfen. Dem war aber nicht so, die meisten sind davon geflogen. Dann aber endlich rannte mir eine ohne Flügel vor die Füße, schon mit einer Lasius Arbeiterinnen zwischen den Mandibeln. Die habe ich ihr natürlich weggenommen.
Die Königin habe ich dann zur weissellosen Kolonie gestern abend gesetzt und erstmal beobachtet. Die Lasius niger Arbeiterinnen waren nicht sonderlich aggressiv, aber die Königin wollte auch nicht so recht. Sie lief immer wieder weg, und versteckt sich, wollte nie eine Arbeiterin packen. Letztes Jahr musste ich ja manchmal eingreifen um zu verhindern, dass sie die Königin töten. Diesmal wurde es aber langweilig, aber als ich dann nach einer halben Stunde wiederkam, hatte sie endlich eine Arbeiterin zwischen den Mandibeln, die sie typischerweise in Ruhe zerkaute. Was mich etwas verwunderte, es handelte sich um eine frisch geschlüpfte und unausgefärbte Arbeiterin. Diese besitzen noch keinen kolonietypischen Geruch, der bildet sich erst später. Wenn die Königin durch das Putzen sich tatsächlich den Kolonieduft aneignet, wird ihr die Arbeiterin nichts nutzen - ich ging schlafen, und am nächsten Morgen saß sie ganz brav im Reagenzglas bei dem Rest des Volkes, und wurde gepflegt und gar nicht aggressiv behandelt. Sie hat es also (trotzdem) geschafft!
Ich bin stolz auf die Hübsche, und vor allen gespannt auf die Arbeiterinnen. Ob die dann auch nen rötlichen Touch haben? Ich glaube zwar nicht, aber wer weiß :)
Hier zwei Bilder von der Chthonolasius Königin und ihrer neuen Kolonie;
Bild
Bild

Übrigens bin ich für Tipps bzgl. Artbestimmung u.ä. sehr dankbar, auch wenn die ja bei Chthonolasius fast unmöglich erscheint...

Grüße, Phil
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Frank Mattheis » Mi 22. Jun 2011, 11:55

Schöner Bericht und schöner neuer Versuch, Phil. Das ist wirklich eine sehr schöne Königin, die sind aber nicht selten, man findet sie etwas seltener als umbratus. Aber sie schwärmen immerhin zur gleichen Zeit.
Ich fand mal vor einiger Zeit eine Kolonie mit jungen geflügelten Königinnen dieser Färbung und sehr gelben, etwas helleren Arbeiterinnen in Brandenburg. Ich war der Meinung, es mit Chthonolasius citrinus zu tun zu haben, aber ich hatte nur den STITZ zur Verfügung. Mir schien der Duft der Tiere, besonders der erregten Kolonie bei meinen Eingriff etwas "zitroniger" zu sein, ausserdem erschienen mir die Arbeiterinnen hellgelber und agiler als umbratus.
Aber es war und ist Spekulation mit solchen Bestimmungen ohne wirkliche taxonomische Erfahrung. Die hab ich leider nicht. Ich freu mich aber sehr über Deinen neuen Versuch!

LG, Frank.
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Phil » Mi 22. Jun 2011, 12:06

Danke sehr Frank :) Für mich ist sie zumindest etwas besonderes, wie gesagt die erste ungeflügelte Königin von diesen Roten. Bin mal gespannt, was draus wird. Vielleicht kann ich später mal bei einschlägigen Taxonomen nachfragen, ob sie mir die Art bestimmen, wenn ich ihnen einige Exemplare zuschicke. Das wäre interessant zu wissen, v.a. im Vergleich zu der anderen, die ja eine umbratus zu sein scheint. Aber weiß das schon... Danke schonmal für Deine Einschätzung!

Grüße, Phil
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Phil » Fr 12. Aug 2011, 15:33

Hallo,

ein kurzes Update. Da mich interessiert, um welche Art es sich bei der roten Königin handelt, habe ich gute Bilder gefragt und bei verschiedenen Personen nachgefragt. Hier mal einige Mikroskopaufnahmen einer Königin. Diese habe ich seit zwei Jahren in einem Ethanolglässchen aufbewahrt, weil sie mir schon damals durch ihre Färbung aufgefallen sind.
BildBild
Bild
Bild
Ich habe natürlich bei den "Profis" im antfarm-Forum nachgefragt, wens interessiert der kann sich dort mal den Thread durchlesen: https://antfarm.yuku.com/topic/12815/ID- ... olasius-sp

Wahrscheinlich ist es also Lasius (Chthonolasius) mixtus, aber natürlich nicht sicher. Jemand aus der Slovakei (er hat hier bei eusozial mal über Prenolepis berichtet) hatte großes interesse an dieser Art, also habe ich mich dazu entschlossen, ihm die kleine Kolonie zuzusenden. Nächstes Jahr werde ich ohnehin wieder problemlos eine Königin dieser Art finden.
Also nicht wundern, wenn ich hier nichts mehr über die Königin berichte.

Die anderen Lasius wohnen nach wie vor in der Farm, aber es ist nicht mehr viel los. Ich vermute, dass sie durch die frühe Auswinterung jetzt langsam schon in Herbststimmung sind, und keine Arbeiterinnen mehr aufziehen. Habe leider keine gute Einsicht momentan, das wird sich dann aber hoffe ich nächstes Jahr wenn das Volk größer ist, ändern. Wirtsameisen sind immer noch vorhanden. Die Königin sehe ich immer mal wieder, sie macht einen vitalen Eindruck.

Grüße, Phil
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Frank Mattheis » Fr 12. Aug 2011, 19:25

Ich habe erhebliche Zweifel, ob die rötlich gefärbten Königinnen von Lasius mixtus sind, Phil. Grund für meine Zweifel, die Chthonolasius-Königinnen, die ich bisher im Winter allein unter Steinen, unter Schutt, Holz etc. usw. fand, waren eher bräunlich-dunkel gefärbt. Es waren aber ganz sicher Königinnen von mixtus, denn wenn man der Fachliteratur glauben möchte, sind es nur die Königinnen dieser Art, die auch in der kalten Jahreszeit unterwegs sind und Anschluss an ein Nest der Wirtsameisen suchen.

LG, Frank.
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Phil » Fr 12. Aug 2011, 19:36

Hallo Frank,

danke für Deinen Einwand. Ich habe noch nie im Winter die L. mixtus gesehen, kann das nicht beurteilen. Die Bestimmungs ist haarig, im wahrsten Sinne des Wortes. Wie lusatica im Forum anmerkt, ist der Petiolus als Bestimmungsmerkmal eher weniger zu gebrauchen, weil die anscheinend bei Lasius recht variabel sind. Die Bestimmung bekommt man anhand der Haare hin... Und meine 40 Fache Vergrößerung reicht dafür noch nicht aus.
Derjenige, der sie jetzt hat, ist eher der Meinung dass es Lasius sabularum sein könnte, er wird sich bald an einen Experten wenden, und dann wissen wir es endgültig.

Grüße, Phil
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Frank Mattheis » Sa 13. Aug 2011, 07:57

Hallo Phil, das ist jetzt ein Name, der mir für die europäischen Chthonolasius-Arten noch völlig unbekannt ist..;) Das zeigt eigentlich, finde ich, wie müssig diese Bemühungen sind.

Solche herumstreunenden Chthonolasius-Königinnen sind im Winter gar nicht so schwer zu finden. In der Eifel fand ich sie relativ oft, ohne sie gezielt zu suchen. Sozusagen Beifang, den ich oft zurückliess. Besonders "ergiebig" sind grossflächige Abdeckungen des Bodens. An Feldrändern und Waldrändern lassen einige unserer heissgeliebten, bewunderten und ach so naturverbundenen Landwirte :) gerne ihren Müll und ihre Abfälle zurück, wo sie dann über Jahre herumliegen. So u.a. auch jene grossen schwarzen Plastikfolien, mit denen eigentlich Heu- und Strohmieten bedeckt werden sollen. Nach Verwendung bleibt das Zeug schonmal so liegen.
Unter fast jeder dieser schon teilweise über Jahre eingewachsenen Folien, die sind mehrere Quadratmeter gross, fand ich zufällig und vereinzelt solche Chthonolasius-Jungköniginnen in den Wintermonaten, oft neben den Nestern von Lasius niger, von denen auch vereinzelt Arbeiterinnen anzutreffen waren, wenn es keinen Frost gab.

Können wir beide uns mal im kommenden Winter anschauen, Phil, wenn Du magst. Ich in ziemlich sicher, dass wir fündig werden und dass wir es dann auch mit mixtus zu tun haben werden. Wenn es denn wirklich so ist, dass mixtus die einzige Art mit dieser ausgefallenen Lebensweise ist unter der Verwandschaft. Beschrieben ist diese Art der Annäherung in der kühlen Jahreszeit der sozialparasitischen Weibchen m.W. ja bisher nur für diese Art.

LG, Frank.
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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Phil » Sa 13. Aug 2011, 12:11

Hallo Frank,

wundert mich, dass Du den Namen noch nicht gehört hast. Der müsste eig. auch in alten Werken wie von Stitz zu finden sein, die Art wurde 1918 von Bondroit beschrieben, und wurde seitdem nicht umbenannt (wobei er sie m.W. noch als Variation von umbratus beschrieben hat, also Lasius umbratus var. sabularum oder Lasius umbratus subsp. mixta var sabularum). Aber ist ja auch egal... Bei den ganzen Chthonolasius Arten blicke ich auch nicht durch.

Das können wir gerne machen, Frank. Würde mich ja schon interessieren, die mal zu sehen. Ich hab sie wohl noch nie gefunden, weil ich eigentlich nicht im Winter nach Ameisen suche. Dann hätten wir auch gleich schon mindestens eine dritte Art Chthonolasius Art in der Haltung. Ich glaube, das ist sogar ein Bereich in dem man gut Amateurforschung betreiben kann, und die Unterschiede der verschiedenen Chthonolasius Arten besser herausfinden kann. Bei vielen ist ja sogar unbekannt, bei welchen Arten sie überhaupt gründen. Die L. mixtus sollen ja sogar eher bei Lasius (Cautolasius) flavus gründen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Wenn man die Koloniegründung versucht möglichst naturgetreu nachzustellen, so wie ich das ja gemacht habe, lassen sich sicherlich auch Rückschlüsse auf die Natur schließen.
Ich glaube, ich probiere nächstes Jahr mal aus, ob die häufigen Lasius cf. umbratus auch bei weissellosen L. flavus gründen.

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Re: *Missratene (& gelungene) Gründung einer Chthonolasius s

Beitragvon Frank Mattheis » Sa 13. Aug 2011, 16:05

Vllt. hab ich den Namen schon gehört resp. gelesen, kann mich nur nicht erinnern dran, Phil..:) Ich hatte vorhin auch nicht im Stitz nachgesehen. Andere Namen, die hier aufgeführt wurden, sind, glaube ich auch schon wieder verschwunden. Stimmt auch, was Du sagst, die Vielzahl der Arten ist bei augenscheinlicher Gleichförmigkeit bei Chthonolasius schon schwer zu handhaben.
Ich glaub eigtl., dass die Bestimmung dieser Arten am ehesten anhand von Beobachtungen der speziellen Lebensweisen gelingen kann. Anhand von Beborstung etc. am toten Tier ist mir alles viel zu spekulativ. Im Stitz werden nun, glaube ich die Schuppen als sehr sicheres Indiz verwandt, aber wer weiss...
Lebensweise, Koloniegründung usw., welche Hilfsameise, das sind sicher sichere Parameter. Wobei man dann auch nicht genau weiss, wie "flexibel" die Arten sind, gründen sie etwa dann bei Cautolasius wie auch bei Arten aus der niger-Gruppe? Und, tun sie das im Freiland unter normalen Bedingungen?
Der Hinweis oder die Beobachtung, dass sie es in Gefangenschaft "können", ist kein Beleg, das zeigen die Versuche mit angeblich erfolgreichen Ausgang mit Koloniegründungen von Lasius fuliginosus bei Hilfsameisen von niger oder auch flavus. Es dürft mittlerweile jedem klar sein, dass fuliginosus im Freiland ausschliesslich Chthonolasius parasitiert. Und ob hier nun alle heim. Chthonolasius-Arten in Frage kommen oder nur einzelne, ist auch noch unklar und bedarf eigentlich weiterer Untersuchungen.
Es ist, mit Verlaub, schwierig, in Gefangenschaft "naturgetreue" Bedingungen zu erreichen (Nicht für die "normale" Haltung unserer Tiere, wohl aber für vergleichende Untersuchungen zur Biologie zB. solcher Sozialparasiten...). Zumindest in der Hinsicht, dass wir dann diese Bedingungen denen im Freiland gleichstellen können und das Verhalten einer untersuchten Ameise als völlig normal und unbeeinflusst beschreiben können. Auch angesichts des Aufwandes, der ja dann betrieben werden müsste. Denn das würde ja bedeuten, dann man einer Jungkönigin Kolonien möglichst aller als Hilfsameisen in Frage kommenden Lasius-Arten zur "Auswahl" vorsetzt. Das sind schon mal eine ganze Menge. Das sollten auch noch unterschiedliche Kolonien jeder Art sein, weisellos, weiselrichtig, mit vielen oder mit wenigen Arbeiterinnen. dann würde man erkennen können, welche Strategie die Chthonolasius der untersuchten Art einschlagen, wie sie vorgehen, welche Arten und welche Kolonie bevorzugt werden und am Ende, wo die Aussicht auf Erfolg gegeben ist. Das dann nicht nur bei einer Chthonolasius-Königin der entsprechenden, untersuchten Art, sondern bei vielen, um einen wirklichen Beleg zu erhalten. Das ist leider faktisch unmöglich. Es kann einfacher sein, die Tiere im Freiland zu beobachten und dort zu verfolgen, in welche Kolonien die Chthonolasius-Königinnen eindringen bzw. sich in deren Nähe aufhalten (mixtus).
Waren meine Versuche bei der seit langem gut erforschten und eindeutig bestimmbaren ;) Art fuliginosus noch einfach, weil es klare Hinweise in der Literatur gab und eindeutige Freilandbeobachtungen von mir und vielen anderen vor mir, dürfte das bei den vielen, sich ähnelnden Chthonolasius sehr schwer werden. Hier ist es schon schwer bis unmöglich, die Jungköniginnen zuzuordnen. Die Probleme beginnen praktisch bereits vor den Versuchen.
Das ist das Problem. Ein halbwegs geglückter Versuch mit dem Überleben der Königin über etwa ein halbes Jahr oder ein Jahr in der Gefangenschaft kann Freilandbeobachtungen nicht ersetzen oder gar in Frage stellen :crazy: , wie wir es bei Lasius fuliginosus lange Zeit erlebt haben. Ein solcher Versuch kann leider nichtmal als wirklicher Beleg herangezogen werden. Das nur, wenn er untermauert ist von Freilandbeobachtungen und anderen Quellen. Finde ich zumindest, denn das würde ähnliche Verwirrung stiften wie es sie bei fuliginosus gab und gibt, wo es sogar in der Fachliteratur fehlerhafte und unklare Beschreibungen gibt. Zuerst müssten sowieso Freilandbeobachtungen gemacht werden und/ oder aber die Literatur nach Spuren durchsucht werden.
Für fuliginosus gab es wie gesagt jede Menge sehr guter Hinweise, die Annahme, dass die Art ausschliesslich bei Chthonolasius gründet, warund ist ja nicht neu und ist nicht von mir! Mich hat immer gewundert, wieviel Unsinn trotzdem über die Koloniegründung und Biologie dieser Art damals und noch heute geschreibselt wird.

Sei es, wie es sei. Wir sehen uns das mal im Winter an, wo sich die vermutlichen mixtus aufhalten und welche Lasius-Arten in der Nähe sind. Nach allem, was wir wissen, müssten wir es bei "Winterfunden" ja mit mixtus zu tun haben. Bei den Tieren, die ich fand, gab es weit und breit keine Cautolasius, wie ich mich erinnere, aber da kann man leicht irren. Es gab aber immer Arbeiterinnen und Nestgänge von niger unter diesen Folien.
Na wir sehen uns das im Herbst/Winter mal an, Phil.

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